Vor 25 Jahren, am 18. Januar 1981, traf sich der Bach-Chor Darmstadt zum ersten Mal. Vorausgegangen war ein Aufruf im Darmstädter Echo, in dem Horst Gehann, Konzertorganist, Komponist und Dirigent, seit 1972 nach seiner Übersiedlung aus Siebenbürgen in Darmstadt tätig, Sänger für einen Bach-Chor suchte.
Die Neuausgabe sämtlicher Bach-Werke durch das Bach-Institut Göttingen und das Bach-Archiv Leipzig hatten ihn angeregt, einen Bach-Werke-Zyklus ins Leben zu rufen, in dem sämtliche Werke Johann Sebastian Bachs aufgeführt werden sollten, um "die herrlichen Werke zum Klingen zu bringen" (H. Gehann).
1980 hatte er bereits das Kammerorchester Pro Musica für den Orchesterpart der geplanten Konzerte gegründet, nun kam für die vokalen Werke der Chor dazu, der dann als Verein Träger des Zyklus wurde. So hatten sich am Anfang ca.60 Sängerinnen und Sänger zusammengefunden, die nicht nur eine allgemeine Musikliebe verband, sondern das ganz spezielle Interesse, ja die Begeisterung für die Musik von J.S. Bach und ihre Ausübung in einem anspruchsvollen Rahmen. Dieser Chor wurde zu einer Gemeinschaft, die die kontinuierliche Beschäftigung mit den Werken Bachs als eine ganz persönliche Bereicherung empfand, zumal auch Horst Gehann nicht müde wurde, bei jedem neuen Werk auf dessen besondere Eigenheit und Schönheit hinzuweisen.
Mit der Aufführung der Matthäuspassion am 17.3.1981 wurde der Bach-Werke-Zyklus eröffnet. In mittlerweile 109 Konzerten konnten alle großen Chorwerke Bachs aufgeführt werden, dazu die sog. kleinen Messen, die Motetten und ca. zwei Drittel aller Kantaten, dazu alle Orchesterwerke, ein Großteil der Kammermusik und die meisten Orgelwerke.
Ein spezielles Werk haben der Bach-Chor und das Kammerorchester Pro Musica dabei besonders oft aufgeführt: die großartige Messe in h-Moll. Allein im Jahr 1985, als der 300. Geburtstag J.S. Bachs gefeiert wurde, kam es zu sieben Aufführungen: neben Darmstadt und Oppenheim bei drei Musikfesten in Spanien, dann in Rom und Troyes (Frankreich). Weitere Aufführungen folgten 1987 (in Darmstadt und in Kirchberg/Hunsrück zur Eröffnung der Hunsrücker Musiktage, von Horst Gehann ins Leben gerufen und bis 1992 geleitet) und 2003 (wieder in Darmstadt und im Rahmen des Deutsch-Ägyptischen Kulturaustausches bei einem Festival in Kairo).
Weitere Konzertreisen führten den Bach-Chor außer in verschiedene Städte Deutschlands auch nach Indien und - nach der Öffnung Osteuropas - besonders in die ungarische Partnerstadt Szeged. In dem Bestreben, das gemeinsame europäische Kulturerbe zu pflegen, wurden regelmäßig vorwiegend osteuropäische Orchester zur Zusammenarbeit eingeladen. Die Aufführungen beschränkten sich dabei nicht auf Werke von Bach, sondern es wurden ebenso oratorische Werke anderer Komponisten und Stilepochen erarbeitet. So erklangen von Brahms "Ein deutsches Requiem" und von Haydn "Die Jahreszeiten", von Bruckner das "Te Deum' und die Messen in d- und f-Moll, von Händel die Oratorien "Judas Maccabäus, "Messias" und das "Utrechter Te Deum", von Mozart die Messe in c-moll und das "Requiem", von Mendelssohn-Bartholdy die Sinfonie-Kantate "Lobgesang" und das Oratorium "Paulus", von Schubert die Messe in As-Dur, sowie von Beethoven die "Chorfantasie", die Messe in C-Dur, die "Missa Solemnis" und schließlich die 9. Sinfonie in d-Moll, die mit der Temeswarer Philharmonie auch im Badischen Staatstheater Karlsruhe aufgeführt wurde. Als letztes großes Werk stand gerade das nicht häufig zu hörende "Requiem" von R. Schumann auf dem Programm.
Dazwischen werden auch immer wieder Chorwerke a cappella von der Renaissance bis zur Gegenwart erarbeitet. So versteht der Bach-Chor Darmstadt e.V. seine Tätigkeit auch als Beitrag zur Vertiefung des geistigen Lebens und zur Neubesinnung auf bleibende Werte.
Die Aufführung des oben erwähnten "Requiem" von Schumann am 10.11.2006 sollte das letzte Konzert sein, das Horst Gehann leiten konnte. Eine schwere Erkrankung zwang ihn zur Einstellung seiner Tätigkeit, und am 21.6.2007 schloss er dann die Augen für immer.
Seine Tochter Angela Gehann-Dernbach übernahm die Leitung von Bach-Chor und Kammerorchester Pro Musica als gewählte Nachfolgerin. Unter ihrem Dirigat fanden bereits sehr erfolgreiche Aufführungen statt, so das "Deutsche Requiem" von J. Brahms als Gedenkkonzert für Horst Gehann und von J. Haydn "Die Schöpfung. 2009 uns 2010 gab es bedeutende Bach-Aufführungen unter ihrer Leitung wie die Johannes-Passion, das Magnificat und zuletzt die h-Moll-Messe (s. Rückblick)
Der Bach-Chor Darmstadt e.V. ist ein gemeinnütziger eingetragener
Verein. Seine finanzielle Basis erhält er durch die regelmäßige
Förderung der Stadt Darmstadt und die Beiträge der aktiven und fördernden
Mitglieder - in den ersten Jahren gab es noch Zuschüsse durch das Land
Hessen und den Deutschen Musikrat -
inzwischen ist der Verein sonst nur noch auf Spenden durch Sponsoren und
Fördermaßnahmen aus der Wirtschaft und von privater Seite angewiesen.
(H.B. 2006)